Runde Sache
Die Welt ist rund, selbst für die Flat-Earther zumindest in der Drauf- und Druntersicht. Der Kopf ist ebenfalls rund, damit das Denken die Richtung ändern kann – wie ein Sprichwort sagt. Eine weltzentrische Spiritualität verbindet sich auch politisch mit den Völkern der Welt, zu denen auch die herrschenden Eliten gehören, selbst wenn uns ihr Herrschaftssystem nicht gefällt. Schaf oder Hirte? ist hier keine Frage eines ideologischen Klassenkampfes, sondern der Selbstbestimmung. Mit fortschreitender spiritueller Praxis wird der Geist immer feinsinniger, nimmt feinste Nuancen wahr. Mit jeder Wahrnehmung erhalten wir gleichsam eine Aufgabe: Reagieren wir mit Verlangen, mit Aversion oder mit Gleichmut? Je häufiger Gleichmütigkeit gelingt, desto feiner wird die Wahrnehmung. Je weniger unsere Sinne, unsere Wahrnehmung, unser Spüren mit hormonellen Drogen stimuliert und schlussendlich betäubt werden, desto feiner wird die Wahrnehmung der Schwingungen.
So ist das auch in der Gesellschaft
Die Sensitivität hat zugenommen, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Disbalancen, von Ungerechtigkeiten, von Diskriminierungen, die Sensibilität gegenüber körperlichen und verbalen Übergriffen.
Die Artikulation dessen stößt sowohl auf Zustimmung wie auf Ablehnung. Die Gesellschaft kann tatsächlich mit einem meditierenden Körper verglichen werden, der eine zunehmende Zahl an Empfindungen
bzw. Befindlichkeiten wahrnimmt. In der Gesellschaft entsprechen die Kommunikationen – vervielfältigt über soziale Netzwerke – den physiologischen Empfindungen eines biologischen Körpers. Der
Gesellschaftskörper kann darauf hysterisch reagieren und muss dabei in Kauf nehmen, dass Hysterie Gegenhysterien evozieren, eine Erregtheit, die jederzeit wieder abklingen kann, wenn wir uns
unserer Mitverantwortung für politische Kommunikation bewusst werden. Tic Toc, X oder YouTube unterstützen nicht gerade eine kontemplative Beruhigung von Körper und Geist.
Fehlende Gelegenheiten für gemeinschaftliche Begegnungen im öffentlichen Raum erfordern eine erhöhte Selbstdisziplin. Spiritualität und Politik wohnen sehr nahe beieinander und bilden in unserer
hypervernetzten VUCA-Welt nur zusammen eine runde Sache. Wenn jeder von uns erkennt, dass er Hirte ist, kein Schaf, wenn jeder die Verantwortung begreift, Hirte seines Geistes
und seiner politischen Wirkmächtigkeit zu sein, dann sehe ich in eine schöne gemeinsame Zukunft.
Nur geringfügig aktualisiertes Schlusskapitel des
Buches Schaf oder Hirte (2021)
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